Warum wir dieses Bürgerbegehren machen.

Der Kli­ma­wan­del und das mas­si­ve Insek­tensterben bedro­hen unse­re Umwelt und damit die Zukunft der Mensch­heit.
Um die Fol­gen des Kli­ma­wan­dels für Erfurt abzu­mil­dern, muß viel getan wer­den. Urba­nes Grün – also Parks, Bäu­me, Wie­sen, Frei­flä­chen und Gär­ten – sind dabei ein wesent­li­ches Ele­ment. Als natür­li­che „Kli­ma­an­la­ge“ ver­bes­sern sie in hei­ßen und tro­cke­nen Som­mern die Auf­ent­halts­qua­li­tät in der Stadt. Auch die lebensnotwen­digen Bestäu­ber, wie Bie­nen oder Hum­meln pro­fi­tie­ren von mehr natur­na­hem Grün und sichern damit unse­re Lebens­grund­la­ge. Nur mit einer guten Grün­ver­sor­gung lässt sich die Lebens­qua­li­tät in Erfurt lang­fris­tig sichern. Deren Schutz und Ent­wick­lung muß daher Kern­the­ma einer zukunfts­fähigen Stadt­entwicklung in Erfurt sein.

Unsere 4 Ziele und 16 Forderungen im Überblick

Erstes Ziel:
Bäume zur Anpassung der Stadt an den Klimawandel schützen und den Bestand erweitern

Die Stadt ver­pflich­tet sich den Peters­berg als Erho­lungs­ort mit hohem Begrü­nungs­grad und Auf­ent­halts­qua­li­tät für die Innen­stadt und anlie­gen­de Stadt­tei­le zu ent­wi­ckeln. Alle wegen der BUGA-Bau­maß­nah­men hier erfolg­ten Fäl­lun­gen, erfol­gen als Nach­pflan­zun­gen lt. Baum­schutz­sat­zung auf dem Are­al des Peters­ber­ges.
Die Stadt ver­zich­tet auf den Bau eines Baum­kronenpfades und die dafür benö­tig­ten mas­si­ven Fäl­lun­gen im klei­nen Wäld­chen zwi­schen Umspann­werk und Peters­berg­pla­teau. Sein Sta­tus „Geschütz­ter Land­schafts­be­stand­teil“ bleibt erhal­ten.

Begrün­dung:
Für die angren­zen­de hoch­ver­sie­gel­te und dicht bevöl­ker­te Innen­stadt stellt der Peters­berg die nahe­zu ein­zi­ge fuß­läu­fig erreich­ba­re Grün­flä­che dar. Soweit bekannt, sol­len für die jüngst erfolg­ten Baum­fäl­lun­gen kei­ne Nach­pflan­zun­gen vor Ort erfol­gen. Die­se wür­den jedoch zu mehr Schat­ten­plät­zen, bes­se­rem Klein­kli­ma mit posi­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf die Innen­stadt und höhe­rer Auf­ent­halts­qua­li­tät auch in hei­ßen Som­mern füh­ren.

Der Baum­schutz und der Schutz der Gehöl­ze wird durch fol­gen­de Ände­run­gen der Baum­schutz­sat­zung ver­stärkt:

Geschützt wer­den:

  • Obst­bäu­me mit einem Stamm­um­fang grö­ßer 90cm
  • frei wach­sen­de Hecken, Sträu­cher und Feld­ge­höl­ze ab 2 m Höhe und mit einer Flä­chen­aus­deh­nung ab 20 m²

Des­wei­te­ren sind die Aus­nah­me­re­ge­lun­gen nach § 6 so zu ändern, dass der Baum­schutz und ‑erhalt obers­te Prio­ri­tät hat. Auch ist die Ertei­lung einer Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung umzu­wan­deln in eine „Kann-Bestim­mung“. Umge­kehrt wer­den Aus­gleichs- und Ersatz­maß­nah­men nach § 7 von einer „Kann-Bestim­mung“ zur Pflicht. Ins­be­son­de­re ist der Zeit­rah­men zur Umset­zung der Aus­gleichs­maß­nah­men ver­bind­lich auf ein Jahr fest­zu­le­gen.

Begrün­dung
Obst­bäu­me (ins­be­son­de­re Hoch­stäm­me) sowie frei wach­sen­de Hecken, Sträu­cher und Feld­ge­höl­ze haben einen hohen öko­lo­gi­schen Wert und müs­sen des­halb beson­ders geschützt wer­den.

Die Stadt stellt sicher, dass der Stadt­rats­be­schluss 0328/18 umge­hend in die Ver­wal­tungs­pra­xis umge­setzt wird:

Urba­nes Grün wird noch stär­ker Teil der Erfur­ter Bau­kul­tur und Stadt­pla­nung. Die Stadt­ver­wal­tung setzt daher auf Baum­er­halt vor Neu­pflan­zun­gen in Bebau­ungs­plä­nen. Die Erhal­tung von Alt­bäu­men soll von Beginn an fes­ter Bestand­teil der Ent­wür­fe und der Bau­pla­nun­gen sein. Alle Bemü­hun­gen zum Baum­er­halt sind trans­pa­rent nach­zu­wei­sen.
Für die Fäl­le, wo der Baum­er­halt nicht mög­lich ist, prüft die Stadt­ver­wal­tung, inwie­weit mehr Neu­pflan­zun­gen bzw. Aus­gleichs­maß­nah­men durch Stadt­grün direkt in der Stadt umge­setzt wer­den kön­nen. Die Stadt­ver­wal­tung nutzt hier­zu den aktu­ellen Stand der Tech­nik sowie neu­es­te Erkennt­nisse bei der Pflan­zung von Bäu­men in Städ­ten, ins­be­son­de­re bzgl. der Ein­ord­nung bei vor­han­de­nem Lei­tungs­be­stand und der Siche­rung von aus­rei­chen­dem Wur­zel­raum.“

Begrün­dung
Alte Bäu­me sind nicht ersetz­bar. Die Bedeu­tung alter Bäu­me für die Wohn- und Auf­ent­halts­qua­li­tät städ­ti­scher Quar­tie­re, Plät­ze und Stra­ßen ist bekannt. Neben den kon­kret mess­ba­ren mikro­kli­ma­ti­schen Fak­to­ren (Tem­pe­ra­tur­aus­gleich, Schat­ten, Luft­feuch­tig­keit, Wind­strö­mung, Staub- und Schad­stoff­bin­dung) spie­len auch die „wei­chen“ Kri­te­ri­en (Ästhe­tik, sinn­li­che Aus­strah­lung, Ori­en­tie­rung und Iden­ti­fi­ka­ti­on mit Orten) eine nicht zu unter­schät­zen­de Rol­le.

Die Stadt Erfurt errich­tet zum Schutz für vom Ver­kehr gefähr­de­te Bestands­bäu­me und von Neu­an­pflan­zun­gen auf Geh­we­gen und Park­plät­zen geeig­ne­te Schutz­maß­nah­men wie z.B. Anfahrt­schutz­bü­gel oder erhöh­te Baum­schei­ben­be­rei­che. Die Funk­tio­na­li­tät bestehen­der Schutz­maß­nah­men wird regel­mä­ßig über­prüft und falls erfor­der­lich zeit­nah instand­ge­setzt. Die­ses Vor­ge­hen wird ver­wal­tungs­sei­tig für jeder­mann nach­voll­zieh­bar doku­men­tiert.

Begrün­dung
Stadt­bäu­me sind durch Anfahr­schä­den durch Auto­ver­kehr und Ver­let­zun­gen bei Bau­maß­nah­men deut­lich stär­ker betrof­fen als Park­bäu­me.
Die Schutz­maß­nah­men die­nen dem Erhalt wert­vol­ler Bestands­bäu­me. Die Maß­nah­men schüt­zen auch die Inves­ti­ti­on einer Neu­an­pflan­zung. Sie sind eine Anla­ge in die Zukunft des Bau­mes, ins­be­son­de­re bei hohem Ver­kehrs- bzw. Park­druck. Gleich­zei­tig wird ein Befah­ren der Baum­schei­be und somit eine Boden­ver­dich­tung mit allen nega­ti­ven Fol­gen für die Vita­li­tät des Bau­mes ver­mie­den.
Nur durch ein kon­se­quen­tes Manage­ment der Schutz­maß­nah­men kann hier auch der not­wen­di­ge lang­fris­ti­ge Erfolg abge­si­chert wer­den.

Die Stadt Erfurt stellt sicher, dass Bestands­bäu­me bei Tief­bau­ar­bei­ten im Stra­ßen- und Geh­weg­be­reich durch geeig­ne­te tech­ni­sche Maß­nah­men, weit­ge­hend geschützt und erhal­ten wer­den. Ent­spre­chen­de Vor­ga­ben sind bei Auf­trags­ver­ga­be in Leis­tungs­be­schrei­bun­gen auf­zu­neh­men.
Bei Stra­ßen­sa­nie­rungs- und Stra­ßen­neu­bau­maß­nah­men (ins­be­son­de­re im Alt­stadt­be­reich und im Grün­der­zeit­gür­tel) wer­den geeig­ne­te Maß­nah­men ergrif­fen, um zukünf­ti­ge Kon­flik­te zwi­schen unter­ir­di­schem Lei­tungs­be­stand und Baum­wur­zeln zu mini­mie­ren. Dies hat z.B. zu erfol­gen indem die Lei­tun­gen in der Stra­ßen­mit­te und nicht im Fuß­we­ges ver­legt wer­den oder indem man neu­es­te tech­ni­sche Mög­lich­kei­ten und Erkennt­nis­se für den Wur­zel- bzw. Lei­tungs­schutz nutzt. Sofern dafür nötig, sind Ände­run­gen in den Kon­zes­si­ons­ver­trä­gen mit Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men vor­zu­neh­men.

Begrün­dung
Das Umwelt­amt weist seit Jah­ren dar­auf hin, dass Stra­ßen, die der­zeit noch von Bäu­men gesäumt sind, in abseh­ba­rer Zeit baum­los wer­den, wenn nicht geeig­ne­te Gegen­maß­nah­men ergrif­fen wer­den. Die Grün­de dafür lie­gen vor allem in den Vor­ga­ben für Abständs­flä­chen zum unter­ir­di­schen Lei­tungs­be­stand.

Die Stadt Erfurt ver­pflich­tet sich, zusätz­lich zu den lt. Baum­schutz­sat­zung und ande­ren gesetz­li­chen Vor­ga­ben gefor­der­ten Nach­pflan­zun­gen, jähr­lich min­des­tens 1.000 neue Bäu­me zu pflan­zen. 250 davon im Bereich Innen­stadt und Grün­der­zeit­ring. Sofern städ­ti­scher Raum im genann­ten Bereich nicht aus­reicht, prüft und nutzt die Stadt Mög­lich­kei­ten für Baum­pflan­zun­gen auf pri­va­tem Grund (wie z.B. Woh­nungs­ge­nos­sen­schaf­ten, Kir­che).

Begrün­dung
Beson­ders in der Innen­stadt sowie im umgren­zen­den Grün­der­zeit­ring ver­rin­ger­te sich der Baum­be­stand in den letz­ten Jah­ren erheb­lich. In Erfurt gibt es ca. 84.000 Bäu­me in Ver­ant­wor­tung des Gar­ten­am­tes und ca. 28.000 Bäu­me an Gewäs­sern 2. Ord­nung. Bei einer durch­schnitt­li­chen Lebens­dau­er von 50 Jah­ren müß­ten jähr­lich 2.240 Bäu­me gepflanzt wer­den, nur um den Bestand zu erhal­ten. Tat­säch­lich wer­den aber sehr viel weni­ger gepflanzt.

Die Stadt Erfurt infor­miert in all­ge­mein ver­ständ­li­cher und über­sicht­li­cher Form, min­des­tens auf ihrer Web­site, recht­zei­tig über geplan­te Baum­fäl­lun­gen, je unter Anga­be des Grun­des.
In glei­cher Wei­se infor­miert die Stadt Erfurt über alle geplan­ten Neu- und Ersatz­pflan­zun­gen sowie die tat­säch­lich erfolg­ten jähr­li­chen Baum­fäl­lun­gen und ‑pflan­zun­gen.
Alle Anga­ben zu Baum­fäl­lun­gen und ‑pflan­zun­gen sind mit dem kon­kre­ten Stand­ort des Bau­mes zu ver­se­hen.
An glei­cher Stel­le infor­miert die Stadt über mög­li­che Stand­or­te von Baum­pa­ten­schaf­ten, über in der Stadt geschütz­te Ein­zel­bäu­me (Baum-Natur­denk­ma­le) sowie über die als Ersatz­pflan­zung gepflanz­ten Obst­bäu­me.

Begrün­dung
In Erfurt wer­den jähr­lich rund 1.500 Bäu­me auf pri­va­tem Grund gefällt. Hin­zu kom­men städ­ti­sche Fäl­lun­gen. Und die­se teil­wei­se im gro­ßen Stil wie rund 1.000 Fäl­lun­gen für die BUGA oder 300 Fäl­lun­gen für den Sta­di­on­bau.
Für die Bür­ger kom­men Baum­fäl­lun­gen meist über­ra­schend.
Eine Infor­ma­ti­on wo Aus­gleichs­pflan­zun­gen erfol­gen, ist für den Bür­ger der­zeit nicht ein­seh­bar. Es braucht des­halb eine recht­zei­ti­ge und für jeder­mann leicht zugäng­li­che Infor­ma­ti­on mit nach­voll­zieh­ba­ren Dar­stel­lun­gen über das genaue Aus­maß und die räum­li­che Zuord­nung von geplan­ten und tat­säch­lich erfolg­ten Fäl­lun­gen und Neu­pflan­zun­gen. Ver­wei­se auf Druck­sa­chen der Ver­wal­tung im Bür­ger­infor­ma­ti­ons­sys­tem und Anhän­ge von Fach­pla­nungs­un­ter­la­gen kön­nen die­sem Anspruch nicht gerecht wer­den.

Zweites Ziel:
Frei- und Grünflächen zum Schutz von Insekten, Vögeln und Kleinlebewesen naturnah bewirtschaften und erweitern

Die Stadt Erfurt schließt mit dem Stadt­ver­band der Klein­gärt­ner e.V. einen Ver­trag zur öko­lo­gi­schen Auf­wer­tung sowie zur Bestands­si­che­rung der Erfur­ter Klein­gar­ten­an­la­gen. Hier­für ist die gemein­sa­me Erklä­rung von NABU und Bun­des­ver­band Deut­scher Gar­ten­freun­de e.V. ⇒„Maß­nah­men zur öko­lo­gi­schen Auf­wer­tung von Klein­gär­ten“ zu Grun­de zu legen.

Begrün­dung
387,6 ha wer­den in Erfurt durch Klein­gärt­ner bewirt­schaf­tet. Sie stel­len damit einen erheb­li­chen Grün­be­stand dar, der für Insek­ten, Vögel, Klein­säu­ger und ande­re Lebe­we­sen wich­ti­ge Lebens­räu­me bie­tet. Klein­gär­ten sind wohn­ort­na­he Erho­lungs­ge­bie­te für alle Genera­tio­nen und för­dern das soli­da­ri­sche Mit­ein­an­der. Die Erzeu­gung von Obst, Gemü­se und ande­ren pflanz­li­chen Pro­duk­ten ist ein wich­ti­ges Ziel der klein­gärt­ne­ri­schen Nut­zung und Frei­zeit­ge­stal­tung.

Die Stadt Erfurt ent­wi­ckelt die Begrü­nungs­sat­zung aus dem Jahr 1995 wei­ter und stellt deren Umset­zung im Stadt­ge­biet sicher. Bei der Wei­ter­ent­wick­lung ste­hen die Erfor­der­nis­se einer Stadt im Kli­ma­wan­del sowie der Schutz von Insek­ten und Klein­le­be­we­sen im Vor­der­grund.
Ziel der Sat­zung ist der Schutz und die Erhö­hung des Anteils begrün­ter Flä­chen ein­schließ­lich begrün­ter Gebäu­de, Dächer und Fas­sa­den.
Die Sat­zung prä­zi­siert §8 der Thü­rin­ger Bau­ord­nung dahin­ge­hend, dass Vor­gär­ten flä­chig zu begrü­nen und die­se dau­er­haft zu erhal­ten sind. Befes­tig­te, was­ser­durch­läs­si­ge Flä­chen im Vor­gar­ten sind nur für die geneh­mig­ten Zufahrten/Stellplätze, Zuwe­ge und Müll­stand­plät­ze zuläs­sig. Die flä­chi­ge Gestal­tung der Vor­gär­ten mit Mate­ria­li­en wie Schot­ter und Kies, wird durch die Sat­zung aus­ge­schlos­sen.

Begrün­dung
Der Bau von Woh­nun­gen, Gewer­be­ge­bie­ten oder Ver­kehrs­flä­chen führt zu einer hohen Ver­sie­ge­lung der Stadt. Aber auch die nach­träg­li­che, nicht geneh­mig­te Ver­sie­ge­lung von nicht über­bau­ten Grund­stücks­flä­chen nimmt an vie­len Stel­len in der Stadt zu.
In Fol­ge wer­den Grün­flä­chen immer weni­ger oder ver­lie­ren ihren öko­lo­gi­schen Wert für Vögel und Insek­ten. Auch die Fol­gen des Kli­ma­wan­dels, wie Stark­re­ge­n­er­eig­nis­se und die Zunah­me von Hit­ze­ta­gen, wer­den durch eine stei­gen­de Ver­sie­ge­lung inten­si­viert.
Durch die Bepflan­zung von Gebäu­den und Frei­flä­chen erhöht sich der Anteil begrün­ter Flä­chen. Die­se hel­fen einer­seits, die Fol­gen des Kli­ma­wan­dels zu min­dern. Zum ande­ren wer­den dadurch mehr und geeig­ne­te Lebens­räu­me für Vögel und Insek­ten geschaf­fen und damit die bio­lo­gi­sche Viel­falt gestärkt.

Die Stadt ver­pflich­tet sich, ihren Bestand an bie­nen­freund­li­chen Grün­flä­chen und Stra­ßen­be­gleit­grün bis 2023 auf min­des­tens 60% zu erhö­hen. Die Pfle­ge die­ser Flä­chen erfolgt exten­siv durch eine zwei­schü­ri­ge und abschnitt­wei­se Mahd. An geeig­ne­ten Stel­len legt die Stadt Blüh­strei­fen an.
Über die Ent­wick­lung der exten­siv gepfleg­ten Flä­chen und Blüh­strei­fen ver­öf­fent­licht die Stadt einen jähr­li­chen Bericht auf ihrer Web­site. Die Stadt über­prüft stich­pro­ben­ar­tig, dass Grün­flä­chen, wel­che durch Fest­set­zung des Bebau­ungs­plans als „exten­si­ve Wie­se“ ange­legt wur­den, auch als sol­che gepflegt wer­den.

Begrün­dung
Der dra­ma­ti­sche Bestands­rück­gang bei Insek­ten ist nach­ge­wie­sen und mit sei­nen nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf den Men­schen und all­seits bekannt. Arten­rei­che­re Grün­flä­chen wir­ken die­ser Ent­wick­lung ent­ge­gen.
Eine Ver­schie­bung des Mah­d­ter­mins auf Anfang-Mit­te Juni sorgt dafür, das Pflan­zen Blü­ten aus­bil­den kön­nen. Damit ist für vie­le Insek­ten eine Erwei­te­rung des Nah­rungs­an­ge­bo­tes gewähr­leis­tet.

Drittes Ziel:
Ackerflächen im Sinne des Artenschutzes ökologisch bewirtschaften und aufwerten

Die Stadt Erfurt stellt sicher, dass städ­ti­sche Acker­flä­chen künf­tig bevor­zugt öko­lo­gisch bewirt­schaf­tet wer­den, indem ent­spre­chen­de Bewer­bun­gen bei der Neu­ver­pach­tung städ­ti­schen Acker­lan­des bevor­zugt berück­sich­tigt wer­den. Die Pacht­ver­trä­ge wer­den um ver­bind­li­che öko­lo­gi­sche Auf­la­gen ergänzt.

Begrün­dung
Die Stadt Erfurt besitzt ca. 1.000 ha Acker­land. Durch des­sen öko­lo­gi­sche Bewirt­schaf­tung leis­tet sie einen Bei­trag zum Schutz des Grund­was­sers und die Erhal­tung der Arten­viel­falt.

Die Stadt Erfurt stellt sicher, dass auf städ­ti­schen Acker­we­ge­par­zel­len Feld­rai­ne und Gehölz­strei­fen ange­legt, geschützt und gepflegt wer­den. Der Ein­satz von Pes­ti­zi­den wird auf die­sen Flä­chen unter­sagt.
Wenn zur öko­lo­gi­schen Struk­tu­rie­rung der Land­schaft erfor­der­lich, sind über­pflüg­te Acker­we­ge­par­zel­len wie­der als Feld­we­ge anzu­le­gen.
Ansons­ten ist sicher­zu­stel­len, dass die Stadt für die Bewirt­schaf­tung über­pflüg­ter Feld­we­ge einen Flä­chen­aus­gleich zur Ver­brei­te­rung der oben genann­ten Feld­rai­ne und Gehölz­strei­fen erhält.

Begrün­dung
Der Stadt Erfurt gehö­ren über 1.400 km Feld­we­ge. Die zuge­hö­ri­gen Wege­par­zel­len haben eine Brei­te zwi­schen 6 m und 10 m. In der Land­schaft erkenn­bar ist jedoch in der Regel nur ein ca. 3 m brei­ter Fahr­strei­fen, an den links und rechts unmit­tel­bar Acker anschließt.
Eine Ver­pach­tung die­ser acker­bau­lich genutz­ten Weg­rän­der erfolg­te bis­her nicht. Die Stadt dul­det hier seit Jah­ren eine kos­ten­freie inten­si­ve land­wirt­schaft­li­che Nut­zung. Die auf die­se Wei­se dem Natur- und Arten­schutz ent­zo­ge­ne Flä­che beläuft sich auf über 700 ha!
Mit der kon­se­quen­ten Durch­set­zung des Eigen­tums- und Nut­zungs­rech­tes auf ihren Wege­par­zel­len und der dor­ti­gen Anla­ge und Pfle­ge von Feld­rai­nen und Gehölz­strei­fen kann die Stadt auf über 700 ha Flä­che einen ent­schei­den­den Anteil zur Bio­top­ver­net­zung im Thü­rin­ger Becken bei­tra­gen.

Viertes Ziel:
Stadtentwicklung unter konsequenter Berücksichtigung von Ökologie und Stadtklima

Mit einem Gründ­ach­pro­gramm erhöht Erfurt die Zahl und Flä­che grü­ner Dächer in geeig­ne­ten Quar­tie­ren und Gewer­be­ge­bie­ten.
Zen­tra­le Instru­men­te kön­nen dabei u.a. städ­te­bau­li­che Ver­trä­ge, eine Gründach­ver­ord­nung, ein Dach­be­grü­nungs­ka­tas­ter sowie die ver­stärk­te Aus­stat­tung und Wei­ter­ent­wick­lung von För­de­rung und Bera­tung sein.

Begrün­dung
Begrün­te Dächer haben posi­ti­ven Ein­fluß auf das Stadt­kli­ma. Sie spei­chern und ver­duns­ten Was­ser und puf­fern somit Stark­re­ge­n­er­eig­nis­se ab und sor­gen für Küh­lung. Sie bie­ten Insek­ten Nah­rung und Rück­zugs­or­te. Bei Gebäu­den ver­bes­sern sie die Ener­gie­bi­lanz durch ihre akti­ve Kli­ma­ti­sie­rung.

Die Stadt Erfurt ent­wi­ckelt den „Bei­rat für Bau­kunst und Stadt­ge­stal­tung der Lan­des­haupt­stadt Erfurt“ (Gestal­tungs­bei­rat) durch ent­spre­chen­de inhalt­li­che Erwei­te­rung zum „Bei­rat für öko­lo­gi­sche Stadt­ent­wick­lung und Bau­kunst der Lan­des­haupt­stadt Erfurt“ wei­ter.
Der Bei­rat ist hälf­tig mit Exper­ten für Archi­tek­tur sowie Exper­ten für Natur und Umwelt zu beset­zen. Die Bau-Exper­ten wer­den vom Amt für Stadt­ent­wick­lung und Stadt­pla­nung vor­ge­schla­gen – die Öko­lo­gie-Exper­ten vom Umwelt- und Natur­schutz­amt. Die vor­ge­schla­ge­nen Mit­glie­der wer­den wei­ter­hin vom Stadt­rat gewählt. Der Dop­pel­vor­sitz wird von je einem Bau- und einem Öko­lo­gie-Exper­ten geführt.
Neben bau­li­chen sind künf­tig auch öko­lo­gi­sche Kri­te­ri­en zu ent­wi­ckeln, wann der Bei­rat ein­zu­schal­ten ist.

Begrün­dung
Erfurt hat gute Erfah­run­gen mit dem hoch­ka­rä­tig besetz­ten Gestal­tungs­bei­rat gemacht. Des­sen Auf­ga­be ist es, Emp­feh­lun­gen abzu­ge­ben, wel­che die Archi­tek­tur­qua­li­tät von stadt­bild­prä­gen­den Bau­vor­ha­ben sicher­stel­len sol­len. In Zei­ten von Kli­ma­wan­del und erfor­der­li­cher Kli­ma­an­pas­sung gehört zu einer anspruchs­vol­len Archi­tek­tur aber auch die gelun­ge­ne Inte­gra­ti­on der soge­nann­ten grü­nen Infra­struk­tur (z.B. Bäu­me, Fas­sa­den­be­grü­nung, öko­lo­gisch hoch­wer­ti­ge Grün­flä­chen).

Die Stadt Erfurt stellt durch regel­mä­ßi­ge stich­pro­ben­ar­ti­ge Kon­trol­len sicher, dass Vor­ga­ben der Bau­leit­pla­nung zur Min­de­rung und zum Aus­gleich von Ein­grif­fen in Natur und Land­schaft nach den Natur­schutz­ge­set­zen tat­säch­lich und voll­stän­dig umge­setzt wur­den. Zu den Ergeb­nis­sen wird ein jähr­licher Bericht ver­öf­fent­licht.
Ehren­amt­li­che Natur­schutz­be­auf­trag­te soll­ten ver­stärkt mit ein­be­zo­gen wer­den.

Begrün­dung
Die Bau­leit­plä­ne der Kom­mu­nen sol­len dazu bei­tra­gen „die natür­li­chen Lebens­grund­la­gen zu schüt­zen und zu ent­wi­ckeln sowie den Kli­ma­schutz zu för­dern“.
Unter­su­chun­gen haben erge­ben, dass vie­le Vor­ga­ben aus Bebau­ungs­plä­nen zur „grü­nen Infra­struk­tur“ jedoch oft gar nicht oder nur man­gel­haft umge­setzt wer­den.
Die­ses Umset­zungs­de­fi­zit führt einer­seits zu fata­len Aus­wir­kun­gen auf die bio­lo­gi­sche Viel­falt. Ande­rer­seits ist von einem deut­lich höhe­ren Ver­sie­ge­lungs­grad inner­halb der Bau­ge­bie­te aus­zu­ge­hen, als in den Aus­gleichs­be­darfs­be­rech­nun­gen zugrun­de gelegt wird.

Die Stadt Erfurt stellt bei der Bebau­ung von Grund­stü­cken im Bereich des § 34 Bau­GB sicher, dass Grund­stü­cke im Innen­be­reich nur zum Teil bebaut und Grund­stücks­flä­chen nur zum Teil ver­sie­gelt wer­den. Eine Hin­ter­land­be­bau­ung oder Bebau­ung in zwei­ter Rei­he soll nicht mehr erfol­gen.

Begrün­dung
Die Ver­dich­tung der bau­li­chen Anla­gen auf einem Grund­stück (in unbe­plan­tem Innen­be­reich) durch Geneh­mi­gung der Hin­ter­land­be­bau­ung führt zu einem erheb­li­chen Ver­lust klein­kli­ma­tisch wert­vol­ler Grün­flä­chen. Gera­de in Hit­ze­s­om­mern wir­ken die­se Grün­flä­chen in hoch­ver­dich­te­ten und ver­sie­gel­ten Quar­tie­ren kli­ma­aus­glei­chend und damit gesund­heit­lich posi­tiv.

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